Vor kurzem bekam ich eine Broschüre des Fraunhofer Instituts. Ich kannte den Namen und assoziierte damit Forschung aber auch nicht viel mehr.

Auf der Internetseite steht dann:

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„Forschen im Auftrag der Zukunft
Fraunhofer ist die größte Forschungsorganisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa. Unsere Forschungsfelder richten sich nach den Bedürfnissen der Menschen: Gesundheit, Sicherheit, Kommunikation, Mobilität, Energie und Umwelt. Und deswegen hat die Arbeit unserer Forscher und Entwickler großen Einfluss auf das zukünftige Leben der Menschen. Wir sind kreativ, wir gestalten Technik, wir entwerfen Produkte, wir verbessern Verfahren, wir eröffnen neue Wege. Wir erfinden Zukunft.“
(https://www.fraunhofer.de/de/ueber-fraunhofer/profil-struktur.html)
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Ich hatte meinen Arzt nach einer Bandage gefragt, die die Grundgelenke der Finger und das Handgelenk stützt, aber nicht stark behindert. Da ich in sämtlichen Orthopädiekatalogen nicht fündig geworden bin, lag der Gedanke der Eigenanfertigung nahe. Ab und zu gibt es gute Zufälle und das war so einer.

Das Frauenhofer Institut bietet im Moment ein Projekt an, welches Rheumatiker dabei unterstützt orthopädische Hilfsmittel selber herzustellen. Das Projekt nennt sich SLS-Assist. Es läuft über 2 Jahre und zeichnet sich dadurch aus, dass man in regelmäßigen Treffen und Workshops unter Anleitung oder auch alleine Hilfsmittel herstellen kann. Das Projekt SLS-Assist wird unter dem Förderkennzeichen 13N14274 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert.

Alleine schon die Beschreibung der maschinellen Ausstattung ließ mich strahlen. Es gibt 3D-Drucker, Lasercutter und 3D Scanner. Es gibt Materialien wie Leder oder Papier. Und das Tollste ist, die Teilnahme ist kostenlos. Man kann jederzeit in das Projekt einsteigen.

Hier die Story:

Ich hatte mich per Mail beworben, (https://slsassist.de/, Dr. Ing. Jan Blömer, jan.bloemer@umsicht.fraunhofer.de). In einer sehr freundlichen Mail wurde ich dann zum ersten Termin eingeladen. Bei uns ist immer viel los auf der Autobahn und ich kam im letzten Moment in Dortmund an. Das Labor Dezentrale – gemeinschaftslabor für zukunftsfragen -, des Fraunhofer Instituts, liegt in Dortmund in einer der typischen alten Straßen, die darauf warten, zum Leben erweckt zu werden. Rechts und links hohe Häuser und Hinterhofeingänge. In einen dieser ging in dann nun auf der Suche nach der Hausnummer. Ich war sehr erstaunt, als ich in einen freundlichen, mit vielen Pflanzen gestalteten Hof kam. In einer Art Sommerhaus fand dann der Workshop statt. Maschinen, Computer, und viele undefinierbare Teile stehen hier.

Ich war davon ausgegangen, dass jetzt sehr viele Leute dort beim Workshop teilnehmen wollten und ärgerte mich schon, dass ich so spät war. Dass ich die einzige war, war toll für mich, aber unbegreiflich.

Ich konnte in Ruhe mein Problem erklären und dann ging es schon an die Arbeit. Das Team musste erst einmal den Umgang mit dem 3D Scanner testen, das dauerte seine Zeit, umso toller war dann dass die Idee eines stützenden Hilfsmittels geboren wurde, die genau meinen Ansprüchen entspricht. Nachdem meine Hand mit dem 3D Scanner eingescannt worden war und auf dem Bildschirm erschien, sah es nach vielen Problemen aus, erst als ich einen blauen OP Handschuh überzog, erschienen die Bilder besser. Das Gerät nimmt fast 8 Bilder pro Sekunde auf, mit der Software wird daraus eine 3D Darstellung. Jetzt wurden solange Teile der Bilder gelöscht, bis die zukünftige Bandage auf dem Bildschirm erschien. Da der 3D Drucker aber durchaus so 5 bis 6 Stunden dafür benötigt, werde ich bei Gelegenheit weiter von diesem genialen Projekt berichten.

Damit ich nicht mit leeren Händen nach Hause fahren musste, wurde nach eigener Schnittvorlage noch ein Stück dickes, schwarzes Leder geschnitten, welches ich dann Zuhause in eine Bandage mit der Nähmaschine verwandelt habe.

PS: ich berichte hier, dass man sich vorstellen kann, wie nett und anregend es ist an diesem Projekt teilzunehmen, Das zweite Projekt „DEZENTRALE“ ist ein offenes Labor des Fraunhofer Umsicht Projekts, schauen Sie doch mal vorbei, wenn Sie gerne tüfteln und Ihnen Maschinen und Geräte fehlen Ihre Ideen umzusetzen. Dienstags werden Pilze gezüchtet, gar nicht so einfach und ein sehr kompetenter Herr kann Ihnen alles dazu erklären!